Über den Wert von BEGEGNUNGEN und eine BESONDERE BEGEGNUNG: BISCHOF MUSER IM GYMME

Man darf über die Religionsstunden bestimmt so einiges – durchaus auch kritisch – sagen, doch sie können bestenfalls wohl auch wertvolle Oasen im Schulalltag darstellen. Sicher, als Lehrperson, die für dies Fach zuständig ist, mag ich in der Einschätzung seiner Bedeutung ein wenig voreingenommen sein, dennoch denke ich, der Religionsunterricht vermag in besonderer Weise einen Rahmen zu schenken, der es allen Beteiligten erlaubt, mal weniger leistungsorientiert unterwegs zu sein, stattdessen ausat­men, sich auf sich selbst konzentrieren, man selbst sein und so in die BEGEGNUNG gehen zu dürfen.

Eine schon irgendwie besondere, jedenfalls, so hoffe ich, in Erinnerung bleibende BEGEGNUNG kam Anfang Mai für zwei Klassen des Klassischen- und Sprachengymnasiums zustande: Nachdem den Schü­ler*innen der 2C (SP) im Blick auf Kirche/Religion doch einige kritische Anfragen unter den Nägeln zu brennen schienen, fassten wir eben diese in Briefform zusammen und leiteten das Ergebnis an Herrn Bischof Ivo Muser weiter. Dieser vermeldete daraufhin, gerne mit den Schüler*innen direkt in den Austausch darüber treten zu wollen, bot gar einen Besuch hier vor Ort an, der nach einiger Zeit dann tatsächlich zustande kommen konnte.

Die sich unter anderem durch eine große Freude am Austausch auszeichnende 1A (KL/SP) gesellte sich dem Treffen kurzfristig mit hinzu. Beide Gruppen ließen sich auf diese BEGEGNUNG, die weit mehr als die eigentlich dafür beanschlagte Zeit andauerte, gut ein. Seitens des Herrn Bischof gab es angesichts des Interesses, der Höflichkeit im Austausch und der grundsätzlichen respektvoll-neugierigen Haltung unserer Schüler*innen nur lobende Worte. Wie das kleine Event hingegen in der Wahrnehmung der jungen Leute angekommen ist, darüber sollen diese sich auch selbst äußern dürfen (besten Dank an dieser Stelle an Korbinian und Greta für die kurzen Berichte, die sie – stellvertretend für ihre jeweilige Klasse – verfasst haben):

Korbinian (2C): Am Freitag, den 6. Mai, besuchte Bischof Ivo Muser die Klassen 2C/sp und 1A/sp. Er bemühte sich, Antworten auf die kritischen Fragen der Schüler*innen zu geben, was ihm teilweise auch gelang. Die Schüler*innen des Gymme-Gymnasiums bedanken sich herzlich beim Bischof für den Besuch.

Greta (1A): Die SchülerInnen der Klassen 1A und 2C des Sprachengymnasium durften sich am Freitag, den 6. Mai 2022, über einen Besuch des Bischofs der Diözese Bozen-Brixen, Ivo Muser, freuen. Dabei konnten die SchülerInnen Fragen stellen, die der Bischof dann beantwortete. Die Jugendlichen hörten sehr aufmerksam zu, was auch vom Bischof explizit gelobt wurde. Die Reaktionen und Meinungen über die Worte des Bischofs spalten sich: sie reichen von Zustimmung und Verständnis bis hin zu Kopfschütteln und Ablehnung. Trotz Meinungsverschiedenheiten war der Besuch des Bischofs sicherlich sehr bereichernd und vor allem interessant; denn nicht oft bekommt man einen Einblick in eine Welt, die vor allem Jugendliche nicht leicht verstehen können.

Es sind vielleicht ja gerade unsere BEGEGNUNGEN – und das, was aus ihnen erwachsen kann –, die gutes/gelingendes Lernen ausmachen. Möglicherweise gewinnen wir durch sie weit mehr, als uns im ersten Moment bewusst sein mag. Als Lehrperson möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei all den wunderbaren jungen Menschen, denen ich in meiner Zeit hier am GYMME (die auch für mich manch­mal ganz schön herausfordernd war) habe BEGEGNEN dürfen, zu bedanken. Wir alle haben unsere Päckchen zu tragen, machen uns so unsere Gedanken, sehnen uns nach diesem oder nach jenem (manchmal vielleicht auch nach etwas, das wir gar nicht so wirklich klar benennen können). Wir alle sind aber dergestalt, trotzdem wir etliches gemeinsam haben, auch einzigartig, können von einander vieles lernen und einander wirkliche, wertvolle Gegenüber sein (sofern wir’s uns erlauben, das auch sein zu dürfen). Ich schätze euch alle, wie ich euch habe kennen lernen können, sehr! Als Mensch konn­te ich viel aus unseren BEGEGNUNGEN mitnehmen (und ich kann nur hoffen, dass sie auch euch irgendwie eine vielleicht erweiterte Perspektive eröffnen konnten). Und: Ich wünsche euch das Aller­beste –  dass ihr den Mut habt, euch weiter zu entdecken, dass ihr euch traut, als ihr selbst großartig zu sein, dass ihr offen bleibt für viele weitere BEGEGNUNGEN (gerne auch im Religionsunterricht.)

Alles, alles Gute für euch – Erwin Santa