Starsopranistin und Forscher zu Gast

Beide sehen sich um und suchen nach Vertrautem im Eingang „ihrer“ Schule. Erfolglos. Erst in der Aula im zweiten Stock finden sie das, wonach sie gesucht hatten: die unverwechselbare Orgel, die immer noch dort steht, wo sie bereits in den achtziger und neunziger Jahren stand.

Edith Haller, die international bekannte Wagnerinterpretin und Armin Pircher-Verdorfer, der an der TU München lehrt und forscht, waren der Einladung der Bibliothek Verdistr. gefolgt. Diese hatte für Schüler und Schülerinnen der 5. Klassen eine Matinee mit dem Titel „Lebens(ver)läufe“ organisiert, in der Abgänger dieser Schule Einblick in ihr Curriculum Vitae geben.

Einleitend skizzierte Direktor Dr. Martin Holzner den Werdegang der beiden Absolventen und hob herausragende Leistungen hervor. Es folgten die Präsentationen der Gäste.

Armin Pircher Verdorfer gab Einblick in die „Anforderungen im Bereich Wissenschaft und Forschung am Beispiel der Lehr- und  Forschungstätigkeit an der TU München". Dort forscht und lehrt er zum Bereich „Führungskräfte und ihre Entwicklung“. Die Tum pflegt eine enge Zusammenarbeit mit Betrieben und Institutionen. Es werden Seminare für Mitarbeiter in Führungspositionen angeboten. Die Polizei z.B. bildet ihre Führungskräfte an der Technischen Universität aus, Zusammenarbeit besteht auch mit Konzernen wie BMW und Siemens. Erkenntnisse, die diese Professur in ihrer Forschung generiert, werden direkt an Entscheidungsträger in der Wirtschaft weiter gegeben. Die Publikationen zu den Ergebnissen sind fast ausschließlich in englischer Sprache gehalten.

Edith Haller erzählte Anekdoten zum Motto „Hinter den Kulissen - vom aufregenden, nicht immer glamourösen Leben einer Diva." Wie sehr Wagner mit seiner Musik auch im Alltag präsent ist, veranschaulichte sie anhand des Hochzeitsmarsches, dem Brautchor aus Lohengrin „Treulich geführt“, den sie kurz anstimmte. Er wird auf vielen Hochzeiten gespielt. Wer allerdings wisse, wie die Beziehung zwischen Elsa und Lohengrin wirklich endet, würde es wohl  eher unterlassen, meinte die Opernsängerin. Stücke von Wagner hören wir häufig als Filmmusik. Der „Walkürenritt“, eine von Waldhörnern gespielte Melodie mit bewegter Orchesterbegleitung, wird sogar in einer Episode der Simpson kurz eingespielt. Auch die Leitmotiv-Technik, die im Film die Aufgabe hat, wichtige Personen oder Erzählstränge musikalisch zu repräsentieren, geht auf die Musikdramen Richard Wagners zurück.

Im Anschluss daran standen die Biographien der Absolventen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Beide waren zielstrebig ihrer Motivation gefolgt.

Edith Haller absolvierte eine achtjährige Gesangsausbildung am Mozarteum in Salzburg, die sie mit dem Diplom in Sologesang Magister Artium in Operngesang abschloss. Von 2003-2005 war sie Ensemblemitglied am Theater St. Gallen; 2005 Starsopranistin am Staatstheater von Karlsruhe; verschiedene Gastengagements führten sie zu den Salzburger Festspielen, in die Bayrische Staatsoper und zu  verschiedenen Opernbühnen: Antwerpen, Graz, Klagenfurt, Hamburg, Köln, London, Wien, Tokio; seit 2006 gastiert sie bei den Bayreuther Festspielen in unterschiedlichen Rollen.

 

 

Dr. Armin Pircher Verdorfer erwarb an der LFU Innsbruck das Diplom in Psychologie und den Bachelor in Philosophie. Von 2007-2009 war er wissenschaftlicher Projektmitarbeiter in Arbeits- und Organisationspsychologie an der LFU Innsbruck, wo er 2010 promovierte. Als Visiting Assistant Professor an der University of Oklahoma forschte er zu Fragen der organisationalen Partizipation und führte seine Studien zum ethikbezogenen Organisationsklima sowie zu Fragen der Führungsethik fort. Seit 2011 hat er eine Post Doc Anstellung an der neu gegründeten Professur für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement an der Technischen Universität München inne.

Nach einer wohlverdienten Pause vertiefte Armin Pircher mit drei Abschlussklassen in Rollenspielen und einer Podiumsdiskussion die Bereiche Führungsstile und Unternehmensethik. Dabei wurde deutlich, dass Führungskräfte über die wesentliche Kompetenz verfügen sollten, ihre Talente und die ihrer Mitarbeiter heraus zu finden und weiter zu entwickeln. Nur durch Stärkenorientierung können langfristig gute Leistungen erzielt werden. Die Forschung zur Unternehmensethik beschäftigt sich mit der Frage, welche Einstellungen und Verhaltensweisen notwendig sind und welche Auswirkungen es hat, wenn nicht nur effektive, sondern auch ethische Führung in Organisationen umgesetzt wird.

Edith Haller stellte sich nach der Pause einem Interview der Schülerzeitung für deren Rubrik „Charakterköpfe“. Anschließend holte sie für die Abschlussklasse mit Schwerpunkt Musik noch einmal weit aus und gab Einblick in die Welt der Bayreuther Festspiele und Richard Wagners. Dabei stellte sie eingangs klar, dass sie sich von seiner antisemitischen Vergangenheit distanziere und sich ausschließlich mit seiner Musik beschäftige. Gespannt lauschte das Publikum den Erzählungen der Wagnerdarstellerin zum Inhalt von „Der Ring des Nibelungen“

Bleibt zu hoffen, dass diese Veranstaltung den jungen Menschen auf der Suche nach ihrem eigenen Weg Impulse geben konnte. Den beiden Gästen wünschen wir für ihre weitere Karriere nur das Beste.