Michael Stavarič in der Bibliothek Verdistraße

„Glaubt ihr mir die Geschichte, dass es einen Ort gibt, wo Frauen für die Rettung aus einem brennenden Haus angezogen sein müssen oder, dass in Brasilien ein Schimpanse zum Bürgermeister gewählt wurde?“ Mit diesen Fragen und anderen skurilen Geschichten gelang es Michael Stavarič bei seiner Lesung in der Bibliothek der Gymnasien Verdistr. das jugendliche Publikum in seinen Bann zu ziehen. Gelesen hat er eine zufällig gewählte Stelle aus seinem Band “Europa. Eine Litanei“. In ungewohnter Rasanz kommt man von der Cote d´Azur, wo das Sterben verboten worden sein soll, in den Bundesstaat New York, wo Frauen, oben ohne, im öffentlichen Raum auftreten dürfen. Immer wieder wundert sich der Hörer über die Zusammenhänge, die er so nicht kennt. Auch die Onomatopoesie, die lautmalerischen Elemente von Sprachen, hat es dem Autor angetan. Welches Tier versteckt sich hinter den Lauten Gaggalagu und Popo? Das Kikeriki des deutschen Hahnes können wir sprachmelodisch beinahe artgerecht wiedergeben, aber wie ist es mit dem cock-a-doodle-doo des englischen Hahns? Für ein gutes feeling out am Ende der Lesung hatte der an Vielfalt kaum zu überbietende Künstler noch einen Hörgenuss zu bieten: einen von Hipp Hoppern performten Text aus seiner Feder.

Organisiert und finanziert wurde diese Autorenlesung vom Amt für Bibliotheken und Lesen. Es handelt sich um eine wertvolle Initiative , die den Unterricht auf vielfältige Weise bereichert. .Michael Stavarič fügt in seinen Texten Laute, Worte, Sätze, Geschichten, Wahrheiten und Erfindungen zu einem faszinierenden Spiel ineinander. Für seine Bücher erhielt er vielfache Auszeichnungen. Die Jury des Adalbert von Chamisso-Förderpreises schreibt 2012 in ihrer Begründung: „Seine Erzähltexte sind zutiefst menschlich, gerade weil sie existenzielle Unsicherheiten und fundamentale Ängste des modernen Individuums literarisch gestalten. (…). Auch als Essayist. Kinderbuchautor und Übersetzer ist er eine herausragende Figur des literarischen Lebens der Gegenwart.«

Michael Stavarič kam 1979 als Siebenjähriger aus der damaligen Tschechoslowakei nach Österreich. Er studierte an der Universität Wien Bohemistik und Publizistik. Nach dem Studium arbeitete er als Executive Coordinator des Präsidenten des Internationalen P.E.N.-Klubs und Sekretär des tschechischen Botschafters und als Lehrbeauftragter für Inline-Skating an der Sportuniversität Wien. Wiederholt war er als Rezensent für Zeitschriften und Verlage tätig. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Wien.