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Dienstagvormittag, den 27. November 2018 erhielten die 4. und 5. Klassen des Sprachengymnasiums Beda Weber die Möglichkeit, einen Einblick in den Richterberuf zu erlangen. Die Richterin Frau Dr. Ulrike Ceresara, selbst eine ehemalige Schülerin des Beda Weber, erklärte uns die Pflichten und Verantwortungen einer rechtsprechenden Person. Dr. Ceresara ist zuständig für das Familienrecht, wie beispielsweise für Scheidung und Anerkennung oder Aberkennung einer Vaterschaft. Sie ist Mitglied der Richtervereinigung der ANM (Assocazione Nazionale Magistrati), welche auch gewerkschaftliche Aufgaben erfüllt. Sie ist Präsidentin der II Zivilsektion am Landesgericht in Bozen. In detaillierter Manier schilderte Sie uns das Berufsbild und den Alltag im richterlichen Leben. Die angesprochenen Themen waren die Unterschiede dieses Berufs zwischen früher und heute, der Werdegang eines Richters und wie sich das Berufsbild in der Zukunft verändern wird. Außerdem erklärte Sie uns den Unterschied zwischen Zivil- und Strafrecht: Das Zivilrecht ist ein Prozess zwischen zwei Bürgern, während beim Strafrecht der Staat den Bürger anklagt. Darüber hinaus legte uns Dr. Ceresara nahe, dass nur sehr wenige akademische Studienabgänger tatsächlich eine Laufbahn als Richter/in einschlagen. Richter wird man durch einen Wettbewerb, welcher auf nationaler und auch auf lokaler Ebene ausgeschrieben wird. Der Richter muss eine objektive Wahrnehmung haben und Urteile ohne Berücksichtigung seiner eigenen Meinung und Sympathie fällen können. Diese persönliche Distanz zu den Menschen und Situationen beschrieb Dr. Ceresara als eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Richter braucht.

Der Richter ist ein Staatsangestellter und übt sein Amt unabhängig aus. Überrascht hat uns, dass der Richterberuf mit sehr viel Schreibarbeit verbunden ist. Allerdings kann man sich die Stunden selbst einteilen, so die Richterin.

Heute ist es unvorstellbar, dass eine Frau einen Beruf wegen ihres Geschlechts nicht ausüben kann, früher allerdings durfte eine Frau aufgrund ihrer „monatlichen Hormonschwankungen“ kein Recht sprechen. Heute sind mehr als 50 % der Richter in Italien Frauen.  

 

Wie wird man Richter?

Voraussetzungen für einen Richterberuf sind gute Beurteilungskraft, eine gute Allgemeinbildung, dialektisches Denken, Streitschlichterfähigkeiten, und diplomatische Fähigkeiten. Trifft das bei Dir zu und Du bist interessiert Recht zu sprechen, dann erwartet Dich folgendes:

  • 4-5 Jahre langes Rechtswissenschaftsstudium
  • Master an der „Scuola di Specializzazione per le professioni legali“
  • Arbeit in einer Anwaltskanzlei oder ein Vertiefungsstudium von weiteren 3 Jahren
  • Wettbewerb auf nationaler oder lokaler Ebene
  • Praktikum bei einem Richter
  • Eine perfekte Zweisprachigkeit (Fremdsprachenkenntnis)

 

Abgeschlossen wurde der Vortrag durch Fragen seitens der Schüler, die von Dr. Ceresara beantwortet wurden, und mit Ihrem Vortrag bereits das Interesse einiger Schüler/innen  geweckt hat.

Wir bedanken uns bei Frau Dr. Ceresara, welche mit Ihrer lockeren Art und Ihrer freundlichen Ausstrahlung den Vortrag lehrreich und interessant gestaltet hat.