Poetry Slam - Elisabeth Jageregger

Die Caritas hat angerufen, sie wollen ihre Kleidung zurück!

Als Charlotte wie jeden Morgen in den Pausenhof geht,

und Tim wie immer lässig am Türrahmen lehnt,

darauf wartet wieder einen seiner billigen Sprüche abzulassen,

nur damit diese ach so schönen Mädchen, ihm tobend zujubeln und ihm damit natürlich wieder mal bewusst machen, wie wunderbar und toll er doch ist.

Tja, und Charlotte, die natürlich keine Super - skinny - push - up - high - waist - Hose trägt, sondern einfach nur ein 12-jähriges Mädchen ist, dessen Herz mit jedem Schritt aus Angst vor Erniedrigung mehr und mehr schlägt, die denkt sich:

Schon traurig zu sehen, wie du eigentlich so total unsicher bist,

dass du versuchst dich unter deinem Ruhm zu verstecken und das Ganze auch noch mit einem falschen Lächeln zu überdecken.

Eigentlich ist es nicht schwer zu sehen, dass dieser Junge innerlich zusammenbricht.

Doch diese Mädchen, ja diese Mädchen, die mit 13 aussehen wie 25, größere Brüste haben als die meisten Neunzehnjährigen, Mann ich, ich versteh‘s einfach nicht. Ihre Lippen übermalen, weil sie jemand sein wollen, der sie gar nicht sind

und durch ihre viel zu langen Wimpern die Realität aus den Augen verloren haben, neben denen ich aussehe wie ein Kind!

Das ich ja eigentlich noch bin.

Doch dass dieser Junge innerlich zusammenbricht, das, ja das sehen diese Mädchen natürlich nicht.

Aber das denkt sie sich natürlich nur.

All das, ja all das würde Charlotte ihm mal gerne ins Gesicht sagen,

doch auf keinen Fall könnte sie das jemals wagen

und außerdem ist sie dafür doch eh viel zu schüchtern.

Also bleibt sie wie jeden Morgen, anstatt weiter zu gehen,

einfach leicht zitternd vor ihm stehen,

und lässt seine blöden Sprüche einfach über sich ergehen.