Geschichte hautnah

Zeitzeugin Martha Ebner zu Besuch an den Gymnasien Meran

Der Besuch von Frau Martha Ebner im Rahmen des Geschichtsunterrichts war ein besonderes Erlebnis für die Schülerinnen und Schüler der Maturaklasse des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums mit Landesschwerpunkt Musik.

Auf Einladung der Schülerinnen und Schüler war Frau Ebner nach Meran gekommen, um von ihren ganz persönlichen Erfahrungen an der Seite ihres Onkels Kanonikus Michael Gamper während der Optionszeit zu erzählen. Nach einer herzlichen Begrüßung durch Direktorin Martina Rainer und Geschichtslehrerin Jutta Telser fesselte Martha Ebner die Schülerinnen und Schüler durch die detailgenauen und spannenden Berichte aus ihrer Schulzeit, die sie anfangs in der faschistischen Grundschule und zeitgleich in den Katakombenschulen in Bozen erlebt hatte. Die 1930er Jahren hatte sie in einem Internat in Bayern verbracht, wo sie u.a. die Reichskristallnacht miterlebt hatte und bereits als junges Mädchen nur Unverständnis für die nationalsozialistische Begeisterung ihres Umfeldes aufbringen konnte.

Mit der notwendigen historischen Distanz und doch mit der Unmittelbarkeit des persönlich Erlebten gab Martha Ebner den Schülerinnen und Schülern direkten Einblick in die schwierige Zeit der Option. Schonungslos berichtete sie von der bedrückenden Propaganda, vom Chaos und Unfrieden, den diese folgenschwere Entscheidung in die Südtiroler Familien und Gemeinschaften brachte. Aufmerksam beantwortete Frau Ebner die vielen Fragen der jungen Menschen, die sich vorzustellen versuchten, wie es sich anfühlt, bei Bombenalarm in einem Keller zu sitzen oder plötzlich von Freunden und Mitarbeitern wie Luft behandelt zu werden.

Für die Schülerinnen und Schüler war die Begegnung eine einmalige Gelegenheit, die wichtigsten Ereignisse der jüngeren Geschichte Südtirols miterleben zu dürfen. Dankbar waren sie danach nicht nur für die Erzählungen von Frau Ebner, sondern auch dafür, Nachgeborene zu sein und in einem friedlichen Südtirol zu leben. Martha Ebner verwies allerdings mit Nachdruck darauf, dass es gerade für junge Menschen – Mädchen wie Jungen - wichtig sei, politische Verantwortung zu übernehmen und wachsam zu sein, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Zum Abschied beschenkten die Schülerinnen und Schüler Frau Ebner noch mit einigen Weihnachtsliedern und bedankten sich dafür, dass sie ihre wertvollen Erinnerungen mit ihnen geteilt hatte.