Pädagogischer Tag an den Gymnasien Meran

Die Lernkultur auf die Herausforderungen der Zukunft ausrichten

„Um Potenzialentfaltung in der Schule zu ermöglichen, bedarf es einer neuen Lernkultur, vielfältiger Lernformate und einer wertschätzenden Haltung. Es geht um Verantwortungsübernahme für sich selbst, die Mitmenschen und unsere Mutter Erde. Was wirklich zählt: Vertrauen, Wertschätzung, Beziehung, Verantwortung, Sinn.“ (https://www.schule-im-aufbruch.de/was-ist-schule-im-aufbruch/)

Das Zitat gibt das zentrale Anliegen von Margareth Rasfeld wieder, der ehemaligen Schulleiterin und Mitbegründerin der Initiative "Schule im Aufbruch". Sie referierte an den Gymnasien Meran am 17. November anlässlich des Pädagogischen Tages. Er war dem Themenbereich „Lern- und Schulkultur im Wandel, Potenzialentfaltung“ gewidmet. 

Die Referentin aus Berlin orientierte sich in ihren Ausführungen nicht nur an den genannten Prinzipien sondern auch an den vier Säulen aus dem Bericht zur Lernfähigkeit der UNESCO und an den Global Goals für eine nachhaltige Entwicklung.

Margret Rasfeld agiert als Netzwerkerin interdisziplinär und international in verschiedensten Innovationsfeldern. Sie war eine der sechs Kernexperten im Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin „wie wir lernen wollen“, ist Preisträgerin des Vision Award 2012 und des Querdenker Awards 2013.

Sie trat in ihren Ausführungen unmissverständlich und engagiert für die Ziele der genannten Initiativen ein. Filmische Einspielungen zeigten Jugendliche, die Verantwortung übernehmen und auch zur Tat schreiten wie z.B. Felix Finkbeiner mit seiner Initiative Plant-for-the-Planet.

Nicht alle im Saal konnten dem Gesagten immer zustimmen, Authentizität aber kann der Referentin nicht abgesprochen werden. Die Evangelische Schule Berlin Zentrum, eine Gemeinschaftschule, entwickelte sich unter ihrer Leitung zu einem Ort des Lernens, an dem der Fachunterricht nicht mehr im 45 Minutentakt abläuft.

Den Vormittag abschließend stellte Frau Rasfeld die Struktur und die Ausrichtung „ihrer“ Schule vor.

Das Schulkonzept zielt auf ganzheitliche Bildung. Lernformen wie Lernbüro, Projektarbeit und Werkstätten, fächerübergreifender Unterricht, altersgemischte Lerngruppen (7/8/9) und Lernen im Leben an herausfordernden Aufgaben fördern eigenverantwortliches, team- und problemorientiertes sowie soziales Lernen. Davon ist man an der Evangelischen Ganztagsschule Berlin überzeugt.

Am Nachmittag arbeitete das Kollegium in Arbeitsgruppen nach Profilen getrennt, um auszuloten, wie die 5 Gymnasialtypen ihr Profil jeweils schärfen können. Die Gruppe „Bibliothek“ befasste sich mit ihrer Zukunftsausrichtung angesichts der großen Herausforderungen wie zum Beispiel der Digitalisierung.

Die Gruppen präsentierten im Plenum ihre Ergebnisse, die als Grundlage für die weitere Arbeit in den verschiedenen Entwicklungsfeldern dienen.

Die Verantwortung für die Entwicklung von Schule und Unterricht liegt seit der Bildungsreform auch hierzulande vor allem in der Schule selbst, was nicht heißt, dass verbindliche Zielvorgaben und Rechenschaftslegung fehlen dürfen. Dies ist trotz der hohen Anforderungen an die Einzelschule auch eine Chance.

Dafür braucht es Mut zur Verantwortung, wie es auf den Mut-Kärtchen heißt, die Margret Rasfeld am Ende ihrer auch kontrovers diskutierten Ausführungen verteilte.

 

Informationen zum Unesco-Bericht und den Global Goals:

1. Bericht zur Lernfähigkeit der Unesco

"Lernfähigkeit: Unser verborgener Reichtum"

Bericht der Internationalen Kommission "Bildung für das 21.Jahrhundert"

Der UNESCO-Bericht "Learning: the treasure within" ist 1996 erschienen. 1997 hat die Deutsche UNESCO-Kommission (DUK) die deutsche Ausgabe unter dem Titel "Lernfähigkeit: Unser verborgener Reichtum" herausgegeben. Der Bericht ist das Ergebnis weltweiter Analysen und dreijähriger Beratungen der Internationalen Kommission "Bildung für das 21. Jahrhundert" mit Lehrern, Forschern, Studenten, Regierungsvertretern und Nichtregierungsorganisationen. Die UNESCO hat diese unabhängige Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Präsidenten der EU-Kommission, Jacques Delors, 1993 ins Leben gerufen. (...)

"Die Kommission sieht in Bildung weder ein Wundermittel noch eine magische Formel, die die Pforten zu einer von Idealen erfüllten Welt öffnet", schreibt Delors, "aber sie ist eines der wichtigsten verfügbaren Werkzeuge für eine umfassendere und harmonischere Art der menschlichen Entwicklung. Sie kann Armut, Ausgrenzung, Unwissenheit, Unterdrückung und Krieg überwinden helfen."

Der Bericht plädiert für eine starke internationale Zusammenarbeit bei Bildungsfragen. Ein "Vier-Säulen-Modell" soll auf die Bildungsbedürfnisse des 21. Jahrhunderts antworten: Lernen, zusammenzuleben; Lernen, Wissen zu erwerben; Lernen zu handeln; Lernen für das Leben. Fundament muss eine breit angelegte Grundbildung sein, die vor allem die Fähigkeit zu lebensbegleitendem Lernen vermitteln soll. (...)

Lebenslanges Lernen heißt nicht nur Anpassung an eine veränderte Berufs- und Informationswelt, sondern bedeutet die Entwicklung des kreativen Potenzials der gesamten Persönlichkeit. (...)

Der originellste Vorschlag des Berichts ist ein "Bildungskonto". Es soll jedem Individuum eine auf Lebenszeit zustehende Studienzeit garantieren, die je nach Kontostand auch während des Erwachsenenalters wahrgenommen werden kann.

https://www.unesco.de/infothek/publikationen/publikationsverzeichnis/delors-bericht.html

 

2. Die Global Goals

Am 25. September 2015 trafen sich 193 Weltführer um sich zu 17 globalen Zielen zu bekennen. Damit solllen in den nächsten 15 Jahren drei außergewöhnliche Dinge erreicht werden. Extreme Armut zu beenden. Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Den Klimawandel zu regulieren.

Das GLOBAL GOALS CURRICULUM (GGC) ist weit mehr als ein Lehrplan: Es ist der dynamische, partizipative Entwicklungsprozess, das innovative Programm zur Umsetzung des UNESCO Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung – in Schule, Organisationen und Zivilgesellschaft.

Angesichts der globalen Herausforderungen brauchen wir kreative und mutige Zukunftsgestalter in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die Schulentwicklung ist dabei Kern und Ausgangspunkt des GGC-Programms.

GGC in Schule

Lassen Sie uns die Schulen gestalten, in denen Kinder und Jugendliche  lernen, aktiv Verantwortung zu übernehmen. In denen sie die Haltung, das Bewusstsein und den Handlungsmut entwickeln, die sie benötigen, um zu kompetenten Gestaltern ihres eigenen Lebens und ihrer Gesellschaft zu werden.

Schule neu zu denken heißt, ein Umfeld zu gestalten, in dem Kinder und Jugendliche nicht nur die Fähigkeit erlernen, komplexes Wissen zu erwerben und damit umzugehen. Sondern auch die Kompetenz, sich die neuen Technologien zu nutze zu machen, kreativ zu sein und mit innovativen Methoden wirksame Lösungen zu erarbeiten. Hier lernen sie in Beziehung zu anderen Menschen zu treten und in heterogenen Gruppen für gemeinsame Ziele zu kooperieren. Sie haben den Raum, um zu experimentieren, sich auszuprobieren und ihr individuelles Potenzial zu entdecken. Sie erleben sich selbst als Gestaltende und verantwortliche Mitglieder ihrer Schule und der Gesellschaft.

Es geht um die Transformation, die mutige Neugestaltung von Schule in vier Handlungsfeldern:

 

Lernen & Arbeiten

Welchen Mix aus innovativen sowie in Praxis bereits erfolgreich angewendeten didaktischen Konzepten, Lernprogrammen und –formaten brauchen wir für das neue Lernen und Arbeiten?

 

Gemeinschaft

Wie arbeiten wir zusammen in der Schulgemeinschaft? Wie kooperieren wir am effektivsten mit unseren externen Partnern? Wie entwickeln wir unser Schulklima?

 

Gebäude & Campus

Wie schaffen wir die räumlichen Voraussetzungen für die neue Lern- und Arbeitskultur? Wie setzen wir die Nachhaltigkeitsziele in unserem Gebäude- und Facility Management um?

 

Transformation

Wie gestalten wir den Entwicklungsprozess zur Umsetzung der Bildung für Nachhaltigkeit an unserer Schule? Wer ist verantwortlich und wie gehen wir vor?

https://www.ggc2030.org/programm