Meraner Schüler gestalten Straßenzeitung zebra.

In den letzten Monaten haben Schülerinnen und Schüler des Gymme eine ganz besondere Erfahrung machen dürfen: Als Schulredaktion konnten sie die aktuelle Ausgabe der Südtiroler Straßenzeitung zebra. gestalten. Diese wurde nun unter dem Titel „Where is utopia?“ vorgestellt.

Seit über vier Jahren bietet die Südtiroler Straßenzeitung zebra. Menschen, die keinen oder nur schwer Zugang zum Arbeitsmarkt haben, eine sinnvolle Tätigkeit und eine kleine Verdienstmöglichkeit. Über 60 Frauen und Männer sind derzeit bei der oew (Organisation für Eine solidarische Welt) als zebra. Verkäufer registriert. Sie sind Tag für Tag in ganz Südtirol unterwegs und verkaufen die Straßenzeitung zum Preis von zwei Euro: Davon geht ein Euro in die Produktion, ein Euro bleibt ihnen. Der Straßenverkauf ist keine Bettelei, im Gegenteil: Neben einer kleinen Einkommensmöglichkeit bietet er den Verkäufern einen ersten Zugang zur Arbeitswelt und gibt ihnen die Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Die Inhalte von zebra. werden zum Großteil von engagierten Freiwilligen erstellt. Die aktuelle Ausgabe wurde von Schülerinnen und Schülern des Gymme mit Unterstützung ihrer Lehrpersonen gestaltet. „Die OEW hat bereits zum zweiten Mal die Möglichkeit ausgeschrieben, dass eine Schule die Gestaltung der Zeitung übernehmen kann. Wir haben uns mit unserem Projekt „Aufbruch nach Utopie“ darum beworben und sind ausgewählt worden. Es ging aber nicht nur um das Schreiben, im Vorfeld hat eine intensive Zusammenarbeit mit der OEW stattgefunden: So haben wir gemeinsam 6 Schulworkshops durchgeführt, bei denen typische Schwerpunkte der OEW aufgegriffen wurden, aber auch über journalistische Ethik und positiven Journalismus informiert wurde“, berichtet Zeno Christanell, der gemeinsam mit der OEW-Mitarbeiterin Lisa Frei als Lehrperson das Gymme-Redaktionsteam begleitet hat. Die Schüler konnten in den letzten Monaten alle Phasen einer journalistischen Textproduktion durchlaufen: vom Recherchieren, zum Formulieren und Redigieren.

In dieser Ausgabe der Straßenzeitung zebra. dreht sich alles um Utopien. „Heute leben wir durch die Globalisierung in einer Zeit der Ungewissheit und Verunsicherung. Den modernen Herausforderungen kehren viele Leute den Rücken zu - sie sehnen sich nach der guten alten Welt im Idealzustand. Die es so wahrscheinlich nie gab. Sie flüchten in diffuse Utopiewelten. Doch das Verdrängen und die Flucht in eine Fiktion sind gefährlich. Auf diesen Zeitgeist möchten wir aufmerksam machen und zum Handeln motivieren“, berichten die jungen Redakteure Elisa Vieider, Lisa Thomann, Isabella Stricker und Luca Albertini über ihre Motivation. Eine prägende Erfahrung konnten die Schüler auch machen, als sie einen Selbstversuch als Straßenverkäufer machten: „Viele Leute, die wir auf der Straße trafen, wandten sich ab, sie gingen hektisch an uns vorbei und mieden oft sogar den Blickkontakt. Als Verkäufer fühlt man sich sehr exponiert und häufig nicht wertgeschätzt. Nach dieser Erfahrung können wir uns gut in die Zebra-Verkäufer hineinversetzen und bewundern ihren Mut und ihren Ehrgeiz.“

Seit letzter Woche wird nun die Sonderausgabe in ganz Südtiroler verkauft. Zum Inhalt meint Zeno Christanell: „Enzo Nicolodi, der ein tolles Interview zur 68er Bewegung in Südtirol gegeben hat, sagt, dass die Utopie immer der Motor für gesellschaftliche Veränderung ist. In diesem Sinn sind einige Visionen der Schüler durchaus innovativ, wie etwa der Selbstversuch keinen Plastikmüll zu produzieren oder das Designen eines idealen Klassenzimmers. Gemeinsam ist vielen Beiträgen eine Sehnsucht nach mehr Gerechtigkeit und Solidarität. Ich finde, es ist eine bunte Mischung entstanden.“ Die Schüler des Gymme haben auch einen eigenen Utopie-Song komponiert. Dieser kann auf YouTube angehrocht werden, der QR-Code findet sich auch in der aktuellen zebra.-Ausgabe.

Projektbegleiter Zeno Christanell (v.l.) gemeinsam mit den jungen Redakteurinnen und Redakteuren bei der Präsentation der aktuellen zebra.-Ausgabe.

Pr_2: Die Gymme-Schüler Elisa Vieider, Michael Stürz, Nadia Thaler, Isabella Stricker und Luca Albertini trugen ihren selbstkomponierten Utopie-Song vor. Dieser kann auch auf YouTube angehrocht werden.