Angst. Macht. Mut.

Das Gymme hat sich in einem klassenübergreifenden Projekt zu einem „Aufbruch nach Utopia“ aufgemacht. Über 200 Schülerinnen und Schüler haben unterstützt von ihren Lehrpersonen zahlreiche interessante Exponate entwickelt – von Umfragen und Studien bis zu szenischen und künstlerischen Aufarbeitungen.

Über dem Eingangsportal des Sozialwissenschaftlichen, Klassischen, Sprachen- und Kunstgymnasium Meran (Gymme) leuchtet in grellen Farben „Aufbruch nach Utopia“. Ein untypisches Motto für eine Schule – fast schon eine Provokation. Auf jeden Fall werden die Passanten zum Denken angeregt und eingeladen nach ihrer eigenen Utopie zu suchen. „Es ging darum junge Menschen zum Entwickeln von Utopien anzuregen, einen gesellschaftlichen Diskurs zu initiieren – schließlich gestaltet sie die Zukunft“, meint die Projektleitern und Fachlehrerin für Humanwissenschaften Birgit Eschgfäller. Ausgehend von den Leitgedanken der Aktionstage Politische Bildung auf Landesebene „Mut. Macht. Angst.- Angst. Macht. Mut.“ haben viele Klassen in Zusammenhang mit dem Thema der Utopie eine Ausstellung mit über 20 verschiedenen Exponaten entwickelt. Diese reichen von der Informationsvermittlung zum interaktiven, kreativen Gestalten bis zu spannenden, szenischen Darstellungen. So etwa brachte Elisabeth Pircher mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Version von Dürrenmatts „Physiker“ auf die Bühne. Johannes Kofler und Dietmar Thaler ließen ihre jungen Schauspieler eine gruselige Entführung in den „Schutzraum“ durchführen - auf der Suche danach, was im Schulalltag Angst macht. Im Rahmen des Projektes wurde von rund 30 Schülerinnen und Schülern unter der Anleitung von Zeno Christanell auch die aktuelle Ausgabe der Straßenzeitung zebra. gestaltet

„Der Aufbruch nach Utopia ist eine Reise, die sich metaphorisch von der Utopie zur Eutopie und von der Macht hin zum Mut bewegt. Eine Reise, die zeigt was alles entstehen kann, wenn Schülerinnen und Schüler zu gesellschaftlicher Teilhabe angeregt werden und Gestaltungsfreiräume bekommen“, erklärt Eschgfäller. Aus der Angst wird Mut – dieser verändert die Gesellschaft. Damit soll das Projekt auch ein konkretes Beispiel für die politische Bildung sein und eine Motivation für gesellschaftliches Engagement.

Utopia bedeutet eigentlich „Nicht-Ort“ und hat seinen Namen von Thomas Morus. Der englische Staatsmann und Schriftsteller kritisierte die Zustände seiner Zeit, indem er ihnen mit „UTOPIA“ einen gedanklichen Gegenentwurf gegenüberstellte. „Auch wenn die Utopie gerade durch ihre Unmöglichkeit definiert ist, standen Utopien in der Geschichte immer wieder in einem sehr engen und teils auch ambivalenten Verhältnis zur Realität und der damit verbundenen politischen Macht“, meint Eschgfäller. So etwa scheiterte Platons „Schöne Stadt“ an ihrer Verwirklichung auf Syrakus, die Utopie einer klassenlosen Gesellschaft von Karl Marx hat beim Versuch ihrer Umsetzung zu so brutalen Entartungen geführt und der Gedanke an Orwells „1984“ ist untrennbar mit dem Überwachungsstaat in kommunistischen Diktaturen wie der DDR verknüpft.

Eutopien sind fantastische Gegenentwürfe zur Realität, die positive oder auch zunächst undenkbar erscheinende Lösungsversuche aufzeigen. Dystopien hingegen sind Mahnungen, die negative Entwicklungen überzeichnen und so einen Handlungsauftrag an uns und unsere Gegenwart richten.

Utopien haben die Macht, Menschen dazu zu inspirieren, immer wieder Grenzen zu überwinden, ohne Schranken zu denken und Neues zu wagen. Vieles, was einst utopisch schien, ist inzwischen realisiert worden. Der Ausgangspunkt jeder Utopie ist allerdings der kritische Blick auf die Gegenwart.

Die Ausstellung wurde am Freitag, 09. März nach der Präsentation der zebra. im Schulgebäude des Gymme eröffnet und wird vom 23. April bis zum 09. Mai auch öffentlich zugänglich sein. Anmeldungen unter: 0473 230028.

Angst macht Mut zur Veränderung: Vom „Schutzbunker“ hinaus in eine bunte Welt sind die Schülerinnen und Schüler ausgebrochen - gemeinsam mit ihren Lehrpersonen Johannes Kofler und Dietmar Thaler.

 

Die Ausstellung erstreckt sich auf drei Ebenen, die nach Motto farblich gekennzeichnet sind.

 

Zahleiche Exponate regen zum Nachdenken an: Was hat Platon mit dem Hollywood-Blockbuster Matrix gemeinsam?

 

Im Schutzbunker des Lebens sind wir alle nur Nummern und tragen Masken: Haben wir den Mut daraus auszubrechen?