Sabine Gruber: „Daldossi oder das Leben des Augenblicks“

Was machen Kriegserlebnisse mit einem Beobachter? Sabine Gruber zeichnet in ihrem Roman „Daldossi oder das Leben des Augenblicks“, der 2016 erstmals erschien, einen Ausschnitt aus dem Leben des alternden Bruno Daldossi, der als Kriegsfotograf arbeitet.

Vor den drei  Abschlussklassen des klassischen Gymnasiums und des Sprachengymnasiums las sie in einer Videokonferenz Auszüge aus ihrem vielbeachteten Roman und erzählte über die Vorarbeiten zu ihrem Werk: Gruber recherchierte im Vorfeld akribisch, um die Erlebnisse des Protagonisten authentisch zu schildern. Sie besuchte sogar einen Kurs, der vom Heer für NGOs und Journalistinnen angeboten wurde, um die Situation in Kriegsgebieten detailliert darstellen zu können. Sehr interessant ist auch die Verknüpfung mit ihren früheren Werken in Form einiger Figuren: Frau Gruber erklärte, dass es sehr viel Zeit bauche, bis eine plastische, realistisch wirkende Romanfigur entstehe; deshalb greife sie öfters auf Figuren aus anderen Werken zurück, die sie weiterentwickelt. 
Auch Erlebnisse und Vorkommnisse, die bereits einige Zeit zurückliegen, wie der frühe Tod des Südtiroler Stern-Reporters Gabriel Grüner in Mazedonien, mit dem Gruber befreundet war, beeinflussten die Entstehung des Werkes. Dabei braucht Sabine Gruber aber eine bestimmte Zeit der Verarbeitung und eine gewisse Distanz zu den Ereignissen, um dem Stoff gerecht zu werden. Außerdem gewannen die SchülerInnen einen Eindruck von der Arbeitsweise der Autorin: Unter anderem beschäftigt sie sich täglich mit Lyrik, da diese Textform lehre, sich auf das Wesentliche zu reduzieren.
Zum Abschluss las Sabine Gruber noch zwei ihrer unveröffentlichten Gedichte vor.

Wir danken herzlichst dem Amt für Kultur, namentlich Herrn Thomas Pardatscher, welcher uns diese hochkarätige Online-Lesung ermöglicht hat.