Kurt Gritsch: Migration in Südtirol gestern und heute

Migration sei immer eine Frage der Ein- und Auswanderung, eine historische Konstante, es gibt keine Phase der Menschheitsgeschichte ohne Migration, so der Vortragende. Menschen wandern dorthin, wo es für sie eine Perspektive, bessere Bedingungen zum Leben gibt. Wenn hungrige Ratten in der Folge zu satten Ratten werden, dann bleiben sie. Gritsch bringt Beispiele aus der Südtiroler Geschichte und bettet sie in einen größeren Rahmen, war unsere Heimat doch lange Zeit ein Abwanderungsland. Das Beispiel der Schwabenkinder, die aus dem oberen Vinschgau an den Bodensee gewandert sind, um sich für ein halbes Jahr auf  Bauernhöfen zu verdingen, die Südtirolerinnen, die als Dienstmädchen in den oberitalienischen Haushalten gearbeitet haben, Südtiroler, die als Arbeitsmigranten in der Schweiz leben, sie alle eint der Wunsch nach einer besseren Perspektive für ihr Leben. 

Die aktuelle Flüchtlingswelle stellt zweifelslos eine große Herausforderung dar. Kurt Gritsch unterstreicht, dass es keine Flüchtlingskrise gibt, die Hauptursache für die unfreiwillige Auswanderung von Menschen stellen Kriege dar, auch politische und religiöse Verfolgung und die Zerstörung der Lebensgrundlagen nicht zuletzt durch unseren westlichen Lebensstil. Für die Migration tragen wir eine Mitverantwortung, die diskutiert werden muss. Kurt Gritsch ist überzeugt davon, dass „eine Gesellschaft nicht automatisch zusammenwächst, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht (...) Gelingt die Zusammenarbeit von Ortsansässigen und Zuwanderern, (…) führt Migration zu Entwicklung, sie eröffnet gerade der Mehrheitsgesellschaft neue Perspektiven in Bezug auf den Arbeitsmarkt, auf die soziale Struktur der Gesellschaft und nicht zuletzt auf die Kultur, indem sich der Blick gezwungenermaßen von einer regionalen auf eine internationale, ja globale Sicht weitet“. (Vom Kommen und Gehen, S. 195)

Kurt Gritsch und die Gastautoren wollen mit diesem Buch Aufklärungsarbeit leisten, damit Integration gelingen kann und dem Populismus ein Riegel vorgeschoben wird.