“Migranten gehen uns alle an”

Autor Björn Bicker und Elisabeth Thaler, Dramaturgin der VBB, trafen sich am 05. April 2013 mit Schülerinnen und Schülern des Humanistischen und des Pädagogischen Gymnasiums im Rahmen des Projektes „Theater heute“.

Die SchülerInnen haben im Januar die Inszenierung des Theaterstücks „Illegal“ von Björn Bicker in Bozen gesehen und nun die Gelegenheit in entspannter Atmosphäre mit dem erfolgreichen Münchener Schriftsteller zu plaudern. Entgegen mancher Befürchtungen ist das Eis sofort gebrochen und eine Frage folgt der anderen. Bicker beantwortet sie gern und gewandt, berichtet pointiert von seinen Erlebnissen, liefert plausible Erklärungen und Stoff für neue Fragen. Er spricht von seinem Vorsatz, die Menschen über das Leben und Leiden der „unsichtbaren Illegalen“ aufzuklären, den Recherchen im Café 104, einer Beratungsstelle für illegale Einwanderer, und der Schwierigkeit, das Vertrauen jener zu gewinnen, die meist keine Chance haben, aus ihrer Illegalität herauszukommen. Der „brave Familienvater“, wie er sich selbst leicht ironisch nennt, redet völlig ungezwungen, aber sehr überlegt über das heikle Thema, das er in seinem Stück aufgreift. „Ich war kürzlich in einem alten Schulgebäude und habe mir die Landkarten an den Wänden angesehen. Da ist mir aufgefallen, dass diese unser Weltbild sehr gut darstellen: Europa liegt im Zentrum, nicht Afrika oder Asien, und alle anderen Kontinente reihen sich darum. Wir Europäer meinen immer, dass nur wir im Mittelpunkt stehen – ob das wirklich so ist?“, fragt Bicker in die Runde und erntet-nicht nur dafür betroffene und nachdenkliche Blicke. Dass den Aufführungen von „Illegal“ viel Zuspruch, positive Rückmeldungen, aber auch Kontroversen mit Menschen, die einen kritischeren Blick für „die Fremden“ haben, folgten, verwundert nicht. Denn eines hat Bicker, auch bei der interessanten zweistündigen Autorenbegegnung, allemal geschafft: Denkanstöße zu liefern zu einem Thema, das uns alle angeht.

Maria Egger, 5. C Päd. Gmyn.